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Tiny Forests nach Akira Miyawaki – eine Möglichkeit für Berlin?

Im Rahmen ihrer Masterarbeit im Studiengang Stadtökologie an der Technischen Universität Berlin hat sich Sina Franke intensiv mit dem Tiny Forest-Konzept nach Miyawaki auseinandergesetzt und durch Expert*innen-Interviews sowie einer Flächenanalyse untersucht, ob diese Mini-Wälder eine sinnvolle Ergänzung zu der bereits bestehenden urbanen grünen Infrastruktur in Berlin darstellen können. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Tiny Forests aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften Vorteile gegenüber anderer urbaner grüner Infrastruktur in Berlin haben können.


Bei dem Wiederaufforstungskonzept des japanischen Pflanzenbiologen Akira Miyawaki, werden degradierte Flächen dicht mit standortgerechten Baum- und Straucharten bepflanzt. Diese Methode führt zu einem schnellen Pflanzenwachstum und bindet CO2. Im Gegensatz zu anderen grünen Infrastrukturelementen in der Stadt benötigen Tiny Forests weniger Platz und Pflege und stellen somit eine kostengünstige Alternative dar. Als räumlich eng begrenzte urbane Wälder können sie zudem als Trittsteinbiotope fungieren und damit einen wichtigen Beitrag zum Biodiversitätserhalt in Städten leisten. Im Anbetracht des Klimawandels wird den Ökosystemdienstleistungen, die Tiny Forests in der Stadt bereitstellen, eine große Bedeutung zugeschrieben. Aber nicht nur die ökologische, sondern auch die soziale Komponente spielen eine wesentliche Rolle bei dem Konzept. Bürger*innen werden aktiv in den Pflanz- und Pflegeprozess miteinbezogen, insbesondere Kinder. Dieser partizipative Ansatz steigert die soziale Akzeptanz von Tiny Forests und wirkt sich auf das Naturempfinden der urbanen Bevölkerung aus.

Für die Suche nach geeigneten Standorten von Tiny Forests in Berlin wurde eine GIS-Analyse durchgeführt, die zwei Arten von Flächen berücksichtigte: Brachflächen ohne Vegetation und Flächen, die für Entsiegelungen geeignet sind. Anschließend wurde überprüft, ob sich diese Flächen in Gebieten befinden, wo eine Erweiterung der urbanen grünen Infrastruktur sinnvoll wäre. Dies wurde mit einem der fünf Umweltgerechtigkeits-Kernindikatoren Berlins überprüft – genauer der Grün- und Freiflächenversorgung. Berlin ist der erste Metropolenraum in Deutschland, der ein solches Konzept zur Umweltgerechtigkeit pilothaft erarbeitet hat. Die Gesamtanzahl der Flächen beider Flächentypen wurde mit den Gebieten Berlins überlagert, die eine geringe Grün- und Freiflächenversorgung aufweisen, um eine Übersicht über ausschließlich die Flächen zu erhalten, die sich in Gebieten mit geringer Grün- und Freiflächenversorgung befinden. Hierbei handelte es sich um Flächen im Zentrum Berlins.


Kernindikatoren für Berlin: Schlechte Grünversorgung (rot) in Berlin. Abbildung: Sina Franke.


Da die Literaturbasis von Tiny Forests in Bezug auf mitteleuropäische Ballungsräume eher gering ist, wurde für die Studie zudem auch interpretatives Wissen aus Interviews mit Expert*innen gewonnen. Vier verschiedene Bereiche wurden hierfür abgedeckt: Umsetzung, Naturschutz, Politik und Verwaltung.


Zusammenfassend kann für Berlin gesagt werden, dass die Flächenpotenziale mit den verwendeten Parametern gering ist. Eine Erweiterung auf weitere Flächentypen könnte daher von Vorteil sein. Weitere Studien könnten sich zudem auch außerhalb des Stadtkerns konzentrieren, da eine flächendeckende Umsetzung von Tiny Forests generell von Vorteil sein kann. Es wird zudem deutlich, dass das ursprüngliche Aufforstungskonzept von Akira Miyawaki für den städtischen Kontext angepasst werden und weitere Potenzialanalysen für geeignete Flächen durchgeführt werden müssen. Eine solche Anpassung bedeutet, dass eine Ausweitung von einheimischen Baum- und Straucharten auf klimaangepasste Arten sinnvoll sein und eine Erprobung geeigneter Zusammensetzungen experimentell in Modellvorhaben erfolgen kann. Die ausschließliche Verwendung von einheimischen Arten nach der Potenziellen Natürlichen Vegetation (PNV), wie sie in Miyawaki´s ursprünglichem Konzept Verwendung findet, ist für anthropogen veränderte Standorte wie Städte nicht ohne Weiteres übertragbar. Städte haben zudem verstärkt mit den Auswirkungen der Urbanisierung und des Klimawandels zu kämpfen, weswegen zunehmend kurz- und mittelfristige Lösungsansätze wichtiger werden. Auch die Anforderungen an urbane Grün- und Freiflächen steigen stets an, daher sollten solche Flächen multifunktional gedacht werden, um den Ansprüchen in der Stadt standhalten zu können. Hier können Tiny Forests als Ergänzung der schon bestehenden grünen Infrastruktur zum Einsatz kommen.



Tiny Forests müssen im urbanen Raum angepasst werden, dann sind sie eine gute Ergänzung zu anderer grüner Infrastruktur. Foto: Martin Eggbert.


In den letzten Jahren hat sich das Konzept des Tiny Forests auch in Europa und insbesondere im städtischen Raum durch erste Pilotprojekte verbreitet und es bleibt abzuwarten, wie sich diese bereits etablierten Mini-Wälder bewähren werden. Weitere Studien sind erforderlich, um den Forschungsstand des ursprünglich aus dem asiatischen Raum stammenden Tiny Forest-Konzepts für europäische Ballungsräume zu erweitern, um Wissenslücken zu schließen und um Umsetzhürden zu überwinden. In Zukunft könnte auch ein einheitliches Monitoring-System für Tiny Forests in deutschen Städten entwickelt werden, um mit den erfassten Parametern beispielsweise quantifizierbare Aussagen über die CO2-Speicherung treffen zu können.


- Sina Franke

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